WAS TUN WENN MEIN KANINCHEN EINE DICKE BACKE HAT?

Schecki ist 2 Jahre alt und war bis vor kurzem ein kerngesundes, fröhliches, verschmustes und gut ernährtes Kaninchen, das stetig mit seinen Kameraden im Freigehege herumtollte.
Eines Morgens bemerkten die Besitzer, dass Schecki weniger frisst und sich in eine Ecke des Freigeheges zurückzieht.
Als Schecki das erste Mal in unsere Klinik kam, war die linke Backe stark geschwollen. Auch unter dem Auge war eine deutliche Schwellung zu sehen.
WAS NUN?
Schwellungen an der Backe können beim Kaninchen mehrere Ursachen haben. Gründe dafür sind einerseits virale Erkrankungen (Leukose), andererseits ein Knochentumor oder ein Kieferabszess sein.
Bei Schecki konnte schon bei der Palpation ein Tumor ausgeschlossen werden. Als nächstes wurde eine Punktion vorgenommen, um den Inhalt der Schwellung festzustellen. Bei Schecki konnte Eiter sichergestellt werden.
Nun war die Diagnose klar:
KIEFERABSZESS
Wie entsteht so etwas?
Kieferabszesse werden meist durch Zahnerkrankungen hervorgerufen. Fehlstellungen der Zähne führen zu veränderten Druckverhältnissen beim Kauvorgang. Es kommt zu verstärktem apikalem Zahnwachstum und die Zähne beginnen durch die Kieferbegrenzung durchzubrechen. Es kann zur Lockerung der Zähne in den Alveolen kommen, sodass sich Keime festsetzen können und sich Eiter bildet. Bei Kieferabszessen im Oberkiefer besteht die Gefahr, dass es zu Eitereinbruch in die Nasenhöhle oder Augenhöhle kommt.
Typische Symptome
Schecki hat eines der wichtigsten Symptome gezeigt: Er hat nicht mehr viel gefressen. Manche Kaninchen fressen bei dieser Erkrankung schon nicht mehr, bevor die Backe so dick ist, dass wir es bemerken.
Manchmal ist auch erhöhter Speichelfluss zu sehen und die Tiere ziehen sich vermehrt zurück. Oft beobachten wir auch Verdauungsprobleme, die sich vor allem in weicherem Kot äußern.
Diagnose
Wie schon erwähnt gibt die Palpation Aufschluss über die Art der Konsistenz der Umfangsvermehrung. Weiters ist eine genaue Inspektion der Maulhöhle erforderlich, bei der auf Kantenbildungen an den Zähnen, Schleimhautverletzungen, Lockerung der Zähne und Eiter zu achten ist. Es wird überprüft, ob durch Druck auf den Abszess Eiter aus den Alveolen austritt. Außerdem sollte unbedingt ein Röntgenbild angefertigt werden. Abszesse stellen sich als Weichteilverschattung dar. Auch Veränderungen des Knochens können beurteilt werden.
Therapie
Wichtig zu wissen ist, dass eine Therapie mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. In dieser Zeit muss das Kaninchen in regelmäßigen Abständen dem Tierarzt vorgestellt werden.
Erster Schritt der Behandlung ist es den Abszess in Sedierung zu spalten (d.h. es wird ein Schnitt in die Backe gemacht), damit der gesamte Eiter ausgeräumt und die Wunde mit einer desinfizierenden Lösung gespült werden kann. Sollten Zähne locker sein, dann müssen diese unbedingt gezogen werden, da diese erneut zu Eiterungen führen können. Zusätzlich muss eine antibiotische Therapie begonnen werden. Diese kann bis zu 6 Wochen dauern. Die Abszesshöhle muss zunächst täglich, später in größer werdenden Abständen gespült werden.
Viele Kaninchen fangen nicht gleich an selbstständig zu fressen, diese müssen zu Beginn zwangsgefüttert werden und manchmal benötigen sie zusätzlich Infusionen.
Prognose
Hier gilt es vorsichtig zu sein. Wenn nur wenige oder einzelne Zähne betro ffen sind ist die Prognose gut, sind mehrere Zähne bzw. auch knochige Veränderungen vorhanden, ist die Prognose vorsichtig zu stellen.
SCHECKI
Auch bei Schecki wurde ein Röntgen gemacht, auf dem eine Weichteilschwellung zu sehen war. Außerdem konnte bei der Inspektion der Maulhöhle eine kleine Verletzung in der Backenschleimhaut gefunden werden, in der sich über längere Zeit das Futter verfangen hat und dies der Grund für die Eiterbildung war. Somit blieb Schecki eine Zahnextraktion erspart. Schecki hat jetzt schon einige Wochen Therapie hinter sich und befindet sich schon am Weg der Besserung. Er frisst brav und endlich ist bei der Spülung der Backe fast kein Eiter mehr zu sehen. Bis die Schwellung ganz verschwunden ist, muss noch einige Male die Wunde gespült und mit Antibiotikum weiter behandelt werden. Dann aber kann er hoffentlich zu seinen Kameraden ins Freigehege zurück.